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Anlass für die Fahrt dieses Gespanns war die 500-Jahr-Feier der Deutschen Post im Jahre 1990 , als Sternfahrten in Richtung Bonn, Frankfurt und Berlin organisiert wurden.
Die Grollanderin Ilse Brune war zur Stelle und hat diese Aufnahme gemacht. Was für ein Schnappschuss !!

An dieser Stelle sollen in regelmäßigen Abständen Beiträge veröffentlicht werden, die einen Überblick über die geschichtlichen Ereignisse der nun schon 950 Jahre andauernden Existenz Huchtings verschaffen sollen. Eine chronologische Reihenfolge ist damit nicht verbunden.

 

 


     Als die Postillione in Huchting "den Ton angaben"

 Die Postkutschenzeit - wichtiger Bestandteil der Huchtinger Geschichte

 

In unserer technisierten Welt sind wir es gewohnt, Nachrichten und Waren innerhalb kürzester Zeit

von A nach B zu bringen. Eine Ware innerhalb von zwei Tagen in den Händen zu halten, ist

durchaus kein zu hoher Anspruch. Wie beschwerlich dies noch vor 150 Jahren gewesen ist,

können wir uns überhaupt nicht mehr vorstellen.

Die Wegbereiter des heutigen Postwesens waren die Boten, egal ob zu Fuß, beritten oder fahrend.

Die Botschaften wurden sowohl mündlich als auch schriftlich überliefert.Es war damals die Zeit

der Postreiter und Postkutschen.

Die ersten Boten in Bremen, die durch eine Urkunde vom 1. Oktober 1399 belegt sind, dienten ausschließlich dem Staat und der Kirche. Daneben bauten die Kaufmannschaften ein eigenes

Botenwesen auf.

Offensichtlich hatte Bremen zu dieser Zeit den Straßenabschnitt zwischen    dem Warturm und

Huchting bereits gepflastert, denn  auf dem Heerweg Bremen - Delmenhorst hatte sich zu allen

Zeiten ein beachtlicher Verkehr mit schreitenden, reitenden und fahrenden Boten abgewickelt.

Die Grenzstation Varrelgraben war über Jahrhunderte Zoll-, Wegegeld- und Poststelle. Die hier verlaufenden Postlinien hatten durch­weg nicht nur örtliche Bedeutung, es waren vielmehr

internationale Ver­bindungen. Das ergab sich schon dadurch, dass der Heerweg ein Abschnitt der Flämischen und der Friesischen Straße war. Die Geschichte dieser Post­linien ist so auch

beachtliches Stück Huchtinger Geschichte geworden.

Schließlich war der Huchtinger Streckenteil  seit 1650 ein Ab­schnitt der Hamburg-Amsterdamer Börsenpost. Ab 1656 passierten hier auch die reitenden Boten der Oldenburgischen Post Graf Anton-Günthers. Dann folgte ab 1660 bis in den Anfang der dänischen Zeit die Reichspost um Thurn und Taxis.

In diesem Zusammenhang sei einmal ein kurzer Blick auf die Postkutsche und den Postillion jener Tage gerichtet. Das Delmen­horster Heimat-Jahrbuch 1929 zeigt uns das Bild einer solchen Postkutsche. Solche Kutschen wurden „mit Vieren vom Bock" ge­fahren. Die Postillione mit ihren eindrucksvollen Uniformen, Zylindern und Posthörnern bestimmten damals neben den Zöllnern und Schmugglern das Bild der alten Straßenverbindung zwischen Delmenhorst und Bremen.

Eineinviertel Stunden Fahrzeit benötigte eine solche Postkutsche für die Strecke Delmenhorst — Bremen, nachdem in den Jah­ren 1825 bis 1829 auch der Straßenabschnitt Delmenhorst — Huchting mit Feldsteinen gepflastert worden war.

Zu unterhalten war die Straße von den An­wohnern. In Unterlagen aus dem Jahre 1817 werden 23 Bauern und 24 Auflader aus Huchting genannt, die Sand für den Unterhalt zu fahren bzw. zu laden hatten. Als Pflastermaterial wurden gesam­melte Feldsteine, kleine Findlinge, verwendet. In einigen Abschnitten wurde die Strecke auch verlegt. So führte die alte Brücke über die Varreler Bäke etwa 50 Meter unterhalb, d.h. nördlich der jetzigen über das Gewässer. Die Grundpfeiler der alten Brücke waren bis vor wenigen Jahren noch vorhanden.

Die Poststation Varrelgraben hat also Postboten, Postreiter und Postfuhren vieler Herren und Länder gesehen und damit immer einen Draht zur Welt von damals gehabt.

Betrachtet man den vielfältigen Verkehr, der Varrelgraben passierte, so kann man nur mit Erstaunen die Nachrichten über den Zustand des Heer­weges vermerken. Er war kaum besser als während des Mittelalters. 1671 berichtete Magnus von Hofften, einer der damaligen Betreiber der Postlinien nach Oldenburg, dass „die postknechte sich höchlig beschweren, dass der weck zwischen Delmhorst undt Varrelgraben absonderlich in der Iprumper Strahs so unbrauchbar, dahs nicht bey Tag, geschweiche des nachts ohne Lebensgefahr mehr dadurch kommen können".  Auch nach Einrichtung der Oldenburgischen fahrenden Post wurde der Straßenabschnitt zwischen Varrelgraben und Warturm bei Dunkelheit nicht mehr befahren, weil man das Wasser, das den Damm meistens umspülte, fürchtete. Die Reisenden mussten dann in der Gaststätte Varrelgraben oder beim Warturm übernachten.

(Anmerkung des Verfassers: Wer heute die Bremer Straße zwischen Huchting und Delmenhorst befährt, kann den damaligen Zustand gut nachvollziehen, denn er sieht linksseitig entlang der Bremer Straße in Höhe Iprump einen tiefgelegenen fast 1 km langen Sumpfgürtel. Nicht umsonst heißt heute eine der Straßen dort "Iprumper Moor").

 

Ab 1844 wurde täglich nach Bremen und Oldenburg gefahren. Die Postkutschenzeit hatte ihren Höhepunkt erreicht. Vier Jahre später wurde die Strecke sogar zweimal täglich befahren. Aber trotz dieses regen Betriebes ging anderthalb Jahrzehnte später dieses Zeitalter zu Ende. Als 1867 die Bahn­linie Oldenburg—Bremen eröffnet wurde, da wurde sehr bald der Postdienst auf der Straße eingestellt. Die Posthaltestelle Varrelgraben wurde sogar im gleichen Jahr noch geschlossen.

Eine neue Zeit war angebrochen, die alten Grenzen besei­tigt und modernere Verkehrsverbindungen geschaffen. Die Eisenbahnlinie Oldenburg — Bre­men und die 1909/10 entstandene Duckwitz­straße quer durch Grolland ließen es auf der alten Straße und am Warturm ruhiger werden.

Geblieben ist bis in die heutige Zeit Huchtings exponierte Lage an einer der verkehrsreichsten Ausfallstraßen Bremens.

 

Überliefert ist eine Anekdote aus der Postkutschenzeit. Die Großherzoglich Oldenburgische Post hatte auf den Landstraßen die Vorfahrt. Alle Fuhrwerke und Passan­ten mussten beim Klang des Posthorns die Straße freimachen. Als einmal eine oldenburgische Kavallerie-Einheit aus dem Manöver kam, folgte ihr auf dem Bremer Heerweg (der heutigen Huchtinger Heerstr.) im Trab die Postkutsche. Bei Varrelgraben for­derte der Postillon durch Hornsignal sein Recht auf der Straße. Der kom­mandierende Rittmeister aber dachte nicht daran, seiner Truppe den Befehl zum Freimachen der Straße zu geben. Der Postillion, ein alter Kavallerist, wusste sich zu helfen. Er blies das militärische Trabsignal. Sofort verfielen die Pferde der Truppe in Trab. Dann aber blies er das Signal Attacke und die wilde Jagd ging los. Erst vor dem Bremer Tor in Delmenhorst konnte der Rittmeister seine Truppe wieder zum Stehen bringen. Die Postkutsche hatte freie Fahrt. Das gab ein großes Schmunzeln im Großherzogtum und der pfiffige Postillion wurde so­gar von seinen Vorgesetzten belobigt.

 

Eine wichtige Grundlage für diesen Artikels war das "Buch über Hasbergen" von Kurt Müsegades, einem Delmenhorster Hobbyhistoriker.

Darüber hinaus waren Aufzeichnungen von Marie Fitger, einer Tochter des Delmenhorster Posthalters Fitger, hilfreich.

Wer über weitere Aufzeichnungen aus der Postkutschenzeit verfügt, möge sich doch bitte mit dem Huchting-Archiv unter der Tel-Nr. 0421 / 585899 in Verbindung setzen.

 

                                                                                                                                                               Peter Koppo

       

 

 

 

 

 

(Diese Serie wird im Rahmen der regelmäßigen  Aktualisierung der Homepage fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

Fast 650 Mal sind Huchtings Hobbyhistoriker bereits zusammengekommen.  |  huchtingarchiv@googlemail.com